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PoP 2012 | Resilienzförderung bei Unilever

Bungee Jumping als Resilienzförderung? Aber nein! Unilever bietet jedoch ein Gummiseil, das Mitarbeitern hilft, in Krisen wieder nach oben zu kommen. Ein interessanter präventiver und krisenbegleitender Ansatz, den Jochen Wenderoth (Unilever Austria) im Rahmen der PoP 2012 vorgestellt hat.

Das Personalwirtschaftsforum PoP 2012, veranstaltet von Business Circle, bot den Teilnehmern neben vielfältigen Plenumsveranstaltungen (siehe HRweb.at Berichterstattung) auch eine Reihe an Praxisworkshops an. Ein inhaltlich spannender Beitrag kam von Unilever: „Resiliente Unternehmen durch resiliente Mitarbeiter“.

Veranstaltungs-Bericht | Die PoP 2012 ist „resilient“ | Tag 1
Veranstaltungs-Bericht | Die PoP 2012 ist „resilient“ | Tag 2

Unilevers Blick auf Resilienz

Jochen Wenderoth beschreibt Resilienz mit Bezug auf die Fachliteratur als die Fähigkeit, bei gesundheitlichen, familiären, beruflichen oder finanziellen Bedrohungen nicht nur zu regenerieren sondern sogar gestärkt daraus hervorzugehen. Also gleichzeitig vulnerabel aber auch widerstandsfähig zu sein. Die Rolle des Unternehmens sieht er in der Bereitstellung von Rahmenbedingungen, die es den Mitarbeitern ermöglichen, das entsprechende Verhalten eigenverantwortlich zu lernen . Damit soll die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass sich Mitarbeiter in Krisensituationen resilient verhalten können.

Zu den im Rahmen des Workshops präsentierten Maßnahmen gehören:

  • „Unilever Arbeitsmarktfitness“ Ziel: sich fit im internen und externen Arbeitsmarkt fühlen auch wenn kein freiwilliger oder unfreiwilliger Wechsel bevorsteht. Methode: Vorträge
  • „Agile Worker“: Ziel: gelebte Eigenverantwortung für die Arbeitszeit bzw. –leistung. Maßnahme: örtlich und zeitlich flexible Arbeit, Messgröße: Arbeitsleistung.
  • „We care Workshops“: Ziel: Wahrnehmung für Bedürfnisse und Probleme von Mitarbeitern schärfen, Selbstverantwortung der Mitarbeiter stärken; Maßnahme: 3tägige, verpflichtende Workshops für Führungskräfte
  • „consentiv Employee Assistance Program“ (siehe ff.)

 

Ein Bungee-Seil anstelle einer Rüstung

Resilienz kann nicht vom Unternehmen wie eine Rüstung übergestülpt werden, sagt der Personalverantwortliche von Unilever Austria, aber wir wollen Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen und zwar nicht nur für berufliche sondern auch für private Krisen!

Ein Raunen geht durch die Zuhörer. Eine Teilnehmerin, die selbst Coach ist, erzählt, dass sie Coaching in Unternehmen nur unter der Auflage, dass es sich um berufliche Themen handelt, kennt. Was und wie ermöglicht hier Unilever?

In Zusammenarbeit mit consentiv bietet Unilever seinen Mitarbeitern seit etwa vier Jahren die völlig anonyme Möglichkeit an, bei schwierigen Situationen – egal ob beruflich oder privat – Beratung/ Coaching in Anspruch zu nehmen. Diese Beratung („consentiv Employee Assistance Program“) steht allen Mitarbeitern, unabhängig von ihrer Position zur Verfügung. Der interessierte Mitarbeiter nimmt direkt Kontakt mit dem Beratungs-unternehmen auf, ohne intern jemanden darüber informieren zu müssen. Das Unternehmen bezahlt einen Pauschalbetrag an die Organisation und erhält als einzige Information, wieviele Personen die Leistung in Anspruch genommen haben und zu welchen Themenkreisen. Das bietet Unilever einen „Fieberthermometer“, um zu sehen, ob z.B. bestimmte berufliche Themen dominieren, für die Maßnahmen getroffen werden können. Im letzten Jahr haben 20 Personen dieses Service genützt, das entspricht 13% der Mitarbeiter. Einige von ihnen sprechen den Betriebsrat oder den Vorgesetzten von sich aus darauf an und erzählen, wie hilfreich es für sie war.

 

Eine lohnende Investition in die Persönlichkeitsentwicklung

Unter den Workshop-Teilnehmern hört man erstaunte und positive Rückmeldungen zu dieser Maßnahme. Ein Teilnehmer argumentiert, dass man es ja sonst eben mit „verdeckten Kosten“ zu tun hat, wenn ein Mitarbeiter aufgrund einer Krise eine geringere Leistung bringt bzw. Fehler macht. Jochen Wenderoth stellt klar, dass damit einerseits Wertschätzung und Vertrauen gegeben wird, dass aber auch gezeigt wird, dass man sich einen konstruktiven Umgang mit einer Krise erwartet. Und seiner Meinung macht sich die Investition in Persönlichkeitsentwicklung und psychosoziale Gesundheit der Mitarbeiter einfach bezahlt.

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Ein Kommentar

  1. CT am

    Hoert sich sehr sozial an. Weiter so

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