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Österreichs Führungskräfte im internationalen Vergleich

Führungkräfteentwicklung & Führungskompetenz

Wie sind Österreichs Führungskräfte Ihrer Meinung nach international aufgestellt? Ich persönlich habe das Gefühl, dass sie hinsichtlich in Bezug auf Fremdsprachen-Können und interkulturelle Kompetenz eine gute Figur machen.

In einem Interview lade ich einige Expertinnen und Experten, um einen internationalen Vergleich zu ziehen.

INTERVIEW

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Experten-Interview

Wie sind Österreichs Führungskräfte Ihrer Meinung nach international aufgestellt? Ziehen Sie einen internationalen Vergleich.

V.a. in Hinblick au. Fremdsprachen & interkulturelle Kompetenz

Mag. Eva Ayberk (Ayberk.co):

Bezüglich Fremdsprachen: Englisch gehört praktisch fast durchgängig schon zur Standardsprache der Führungskräfte. Viele Unternehmen stellen auch immer stärker auf Englisch als Unternehmenssprache um. Das ist gleichzeitig auch eine kulturelle Transformation.

Für andere Fremdsprachen gibt es kein einheitliches Bild. Vor allem auch, weil österreichische Führungskräfte oft selbst einen (familiär-) interkulturellen Background haben. Das gilt vor allem für Unternehmen, die in der CEE/SEE Region tätig sind.

Die interkulturelle Kompetenz ist unterschiedlich ausgeprägt, je nachdem wie offen der persönliche Zugang ist und ob Arbeitserfahrung in anderen Kulturen besteht

Matthias Würth, MSc (ICUnet Austria):

Vom Gefühl würde ich sagen, dass Österreichs Führungskräfte hier im guten Mittefeld rangieren. Wenn man erlebt, dass in vielen Unternehmen nach wie vor Deutsch die beherrschende Arbeitssprache ist und erst bei Anwesenheit eines Nicht-Muttersprachlers ins Englische gewechselt wird, lässt sich hier schon erkennen, dass es Luft nach oben gibt. Dokumentationen und zB Protokolle werden sehr häufig in deutscher Sprache verfasst, was sie sehr rasch für Internationale Mitarbeitende relativ nutzlos macht.

Das Profil der kulturellen Präferenz (natürlich immer mit dem Risiko der Verallgemeinerung behaftet) der österreichischen Führungskraft zeigt eine grundsätzlich gute Basis für internationale Kollaboration. In den Dimensionen Sach- vs. Beziehungsorientierung oder direkte vs. indirekte Kommunikation ist „der Österreicher“ etwas ausgewogener und somit üblicherweise besser anschlussfähig zu andern Kulturen, wie zB den asiatischen Kulturen, die sehr stark beziehungsorientiert und sehr indirekt in der Kommunikation sind. Das Kennen und Erkennen der eigenen Präferenz ist aber jedenfalls die notwendige Basis, um darauf persönliche Handlungsoptionen zu entwickeln. Gerade in der Pandemie und durch die Erfordernis des remote Working verstärkt sich die Erfordernis, hier sensitiv zu sein: Mitarbeiter aus Kulturkreisen mit stärker ausgeprägten Hierarchie müssen in virtuellen Meetings sehr aktiv angesprochen werden, sonst werden sie sich vermutlich im Hintergrund halten und nicht involvieren.

Dr. Karin Schreiner (Intercultural Know How):

Aus meiner Sicht steht Österreich ähnlich wie andere europäische Länder da. Führungskräfte, die im internationalen Kontext arbeiten, verfügen häufig über persönliche Erfahrungen im Ausland (während Studium, Praktika im Ausland) und sind an interkultureller Weiterbildung meistens interessiert. Ich sehe auch, dass gerade im MINT Bereich (der Schwerpunkt österreichischer Unternehmen) Softskills und kulturelles Bewusstsein bei Führungskräften der Generation X und älter nicht immer gut geschult sind. Dies liegt zum Teil an den Ausbildungen, die im MINT Bereich traditionell eher auf Hardskills fokussieren.

Mag. Petra Koinig (ITO Individuum Team Organisation):

„Man lernt nie aus“ – dieses Sprichwort scheinen sich österreichische Unternehmen zu Herzen zu nehmen. Laut Statistik Austria bieten neun von zehn Unternehmen interne Weiterbildungen für ihre Führungskräfte an. Besonderen Stellenwert haben Ausbildungen zu Soft Skills und neuen Formen der Zusammenarbeit. Diese Offenheit für lebenslanges Lernen zeichnet Österreichs Führungskräfte aus.

Auch im tertiären Bildungsbereich zeigt sich diese Tendenz. In Österreich verfügten 2020 bereits 41 % der 25- bis 34-Jährigen über einen Abschluss im Hochschulbereich. Das liegt knapp unter dem OECD-Schnitt (45 %). Seit 2010 ist dieser Anteil sowohl in Österreich (34 %) als auch in der OECD (37 %) deutlich gestiegen. Diese Zahl stimmt optimistisch und ist insofern aussagekräftig, da ein direkter Zusammenhang zwischen Bildungsabschluss, Sprachkenntnissen und interkultureller Kompetenz besteht.

Dr. Judith Girschik (Leadership Institute | LSS Leadership Services):

Fast alle meine Kundinnen haben schon über einen längeren Zeitraum im Ausland gelebt und haben sich internationale Führungskompetenz in der Praxis erarbeitet. Wo dies nicht der Fall ist, lohnt es sich natürlich, in maßgeschneiderten Coaching- Sitzungen „nachzuschärfen“. Das ist etwa dann sinnvoll, wenn ein österreichischer Manager mit besonders diversen Teams zusammenarbeiten muss. Neben interkulturellem Fachwissen kommt es hier aber auch auf individuelles Fingerspitzengefühl an. Dessen Hintergrund ist nicht lediglich dem Land und der Kultur, der man entstammt, zuzuschreiben, sondern auch der individuellen Persönlichkeit. Diese lässt sich mittels Persönlichkeitstest und Potenzialanalyse übrigens gut objektivieren.

Mark Heather (MHC Business Language Training):

Viele österreichische Managerinnen scheinen international gut aufgestellt zu sein und übernehmen Führungsaufgaben in ihrem Unternehmen. Sie sind kultursensibel und offen für die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Menschen. Wenn man mit leitenden Angestellten von Unternehmen arbeitet, hat man einen spezifischen Bedarf an Fremdsprachenkenntnissen wie Moderations- und Präsentationstraining.

Mehr als eine Milliarde Menschen sprechen Englisch als Erst- oder Zweitsprache. Hunderte von Millionen mehr sprechen Englisch als dritte oder vierte Sprache. Aus einem Bericht von EF Education geht hervor, dass Österreich weltweit an achter Stelle unter den Ländern ist, in denen Englisch nicht die offizielle Amtssprache ist (an der Spitze stehen die Niederlande, gefolgt von Schweden und Norwegen). Gleichzeitig rangiert Wien auf Platz 6 unter den  Städten mit den besten Englischkenntnissen. Drei Viertel der Österreicher sprechen Englisch auf einem sehr guten Sprachniveau.

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Die Interview-Partner

Judith Girschik

Judith Girschik, LSS

Mag. Petra Koinig

Petra Koinig, ITO

Mag. Eva Ayberk

Eva-Maria Ayberk

Mark Heather

Mark Heather, MHC

Dr. Karin Schreiner

Karin Schreiner

Matthias Würth, MSc

Matthias Würth, ICUnet

Mag. Eva Selan, MSc | HR-Redakteurin aus Leidenschaft

Theoretischer Background: MSc in HRM & OE. Praktischer Background: HR in internationalen Konzernen und KMUs in Österreich und den USA.
Nach der Tätigkeit beim Print-Medium Magazin TRAiNiNG als Chefredakteurin, wechselte komplett in die Online-Welt und gründete Ende 2010 das HRweb.

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