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New Work und dessen Auswirkung auf Teamwork

Experten-Interview: Teamwork & New Work. New Work schreitet rasant voran, wird hoch gelobt, als Idealbild angepriesen. Die Kernfrage für mein heutiges Experten-Interview ist: Wie verändert New Work die Art von Teamwork? Im Zuge des Interviews vertiefen wir uns natürlich auch in Themen wie: was bedeutet New Work konkret, welche Auswirkungen hat es auf Arbeit allgemein und immer wieder kreisen wir konkret zurück zur Auswirkung auf Teamwork.



Wie verändert New Work die Art von Teamwork?

Veronika Aumaier MAS, MSc (Aumaier Consulting Training): Die stabilen Teamverhältnisse, wo täglich dieselben Leute an denselben Plätzen sitzen und sich regelmäßig, wiederkehrend zum Mittagessen oder zum Kaffee treffen, lösen sich unter New Work Bedingungen auf. Die Teamwork-Welt wird virtuell und mannigfaltig. Je nach Arbeitsplatz wird man von zu Hause arbeiten, seine Aufgaben über eine Plattform beziehen und via „calls“ mit seiner Projektgruppe national und international im Austausch sein. Im Büro trifft man sich in der Coffee Lounge zum Netzwerken oder zum Face to Face update. Desk Sharing und weitere Arbeitszeitflexibilisierungen werden für tagtäglich wechselnde Sitznachbarn im Büro sorgen – was gute Kontakt- und Netzwerkfähigkeiten sowie Flexibilität auf allen Ebenen verlangt.

Mag. Petra Koinig (ITO): Digitalisierung und Globalisierung verändern die Arbeitswelt  und Teamwork rasant. Die starren klassischen Arbeitsstrukturen wandeln sich und weichen neueren, flexibleren Vorstellungen. Die zentralen Werte des Konzepts von New Work sind Selbstständigkeit, Freiheit und die Teilhabe an der Gemeinschaft. Individualität, Freiraum für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit stehen im Mittelpunkt.

Dr. Andrea Cerny, MAS (next level consulting): New Work führt den Menschen wieder auf sein „Menschsein“ zurück – vor allem im Arbeitsleben. Soziale Kompetenzen werden wieder wichtiger und machen einen wesentlichen Unterschied zu Maschinen und New Intelligence. Teamwork wird damit wieder wichtig, da man erkannt hat, dass in der Zusammenarbeit von Menschen großartige Projekte umgesetzt werden, die in der „alten“ Arbeitswelt nicht umsetzbar gewesen wären, weil man sich dort der Ressource „Mensch“ nicht so bewusst war, wie man das in der Zeit von New Work ist.

Paul Bischofberger (TEAM|Manufaktur): Die Frage ist insofern nicht ganz einfach zu beantworten, als unter dem Begriff New Work Unterschiedlichstes subsummiert wird. Mancherorts wird darunter die Einführung von agilen Methoden verstanden, andere denken bei New Work an neue Raumkonzepte, wieder andere denken zuallererst an eine Flexibilisierung von Arbeits- und Freizeitzeiten und manche wiederum demokratisieren ihre Unternehmensstrukturen. Im Großen und Ganzen scheint es aber um drei große (Themen-)Bereiche zu gehen: Demokratisierung, Digitalisierung und Dezentralisierung.

  • Digitalisierung findet ja bereits in atemberaubender Geschwindigkeit statt – hier sehe ich die Auswirkungen auf Teamarbeit vor allem auch in Verbindung mit Dezentralisierung, die ja Hand in Hand mit der Digitalisierung geht. Darauf gehe ich etwas später genauer ein.
  • Geht es in Richtung Demokratisierung, dürften die Auswirkungen auf Teamarbeit gravierend sein, gravierender, als Digitalisierung u/o Dezentralisierung mit sich bringen werden. Der Anspruch an demokratische Organisationsformen lautet ja, den Mitarbeitern wesentlich mehr Entscheidungsfreiheit zu lassen, Hierarchien abzuschaffen (oder zumindest massiv zu reduzieren), die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen stark zu steigern, möglichst viel Transparenz auf allen Ebenen herzustellen etc. pt.
  • Soll das alles tatsächlich gelingen, setzt dies einen radikalen und absoluten Kulturwandel voraus, werden hier doch Fragen der Entscheidungsfindungsprozesse (im Team wie in der Organisation), des Leaderships, der Selbstorganisation und des Selbstverständnisses des Einzelnen wie auch des ganzen Teams und vieles anderes mehr völlig neu definiert. Deshalb glaube ich, dass eine umfassende Demokratisierung – wenn überhaupt – sicher nicht disruptiv, sondern evolutionär, und damit über mehrere Generationen verteilt stattfinden wird.

 



Die Gesprächspartner:

New Work & Teamwork

 


Veronika Aumaier MAS, MSc
Geschäftsführerin

AUMAIER Consulting/Training GmbH

www.aumaier-academy.com

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Mag. Petra Koinig
Trainerin, Consultant, Coach

ITO Individuum Team Organisation GmbH

www.ito.co.at

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Dr. Andrea Cerny, MAS
Senior Consultant

next level consulting Österreich GmbH

www.nextlevelconsulting.com

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Paul Bischofberger
Geschäftsführer

TEAM|Manufaktur GmbH

www.team-manufaktur.at

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selan_eva_150Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb

www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


Ich danke den Interviewpartnern sowohl für ihre Geduld als auch ihre Expertise.

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