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Business-Coaching | Diese Selbstreflexions-Techniken kommen am besten an

Der Titel sagt es schon: Welche Selbstreflexions-Techniken kommen im Business-Coaching beim Coachee? Meine Experten-Runde setzt sich aus Business-Coaches zusammen und sie geben mir praktische Einblicke:

 

Fragen dieses Interviews: Welche Möglichkeiten der Selbstreflexion kommt bei den Coachees besonders gut an?

Ist denn jeder Mensch zur Selbstreflexion fähig?

INTERVIEW-PARTNER

 



Welche Möglichkeiten der Selbstreflexion kommt bei den Coachees besonders gut an?

Mag. Steffi Bärmann (FHWien der WKW): Bereits die Tatsache, dass sich der Coachee Zeit nimmt, sich mit seinen Themen auseinanderzusetzen, ist die Basis und birgt das Potenzial für eine Selbstreflexion. Damit entsteht ein Raum, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Und damit für sich Fragen zu beantworten, sich selbst und ihren Bedürfnissen Gehör zu verschaffen. In dem Coach findet der Coachee eine Person, die zuhört, ohne zu werten, die Wahrnehmungen über z.B. Emotionen, Intuitionen, Körpersprache rückspiegelt und damit Feedback gibt. Der Coach stellt einen Resonanzraum zur Verfügung, in dem sich der Coachee ausbreiten kann. Auf der anderen Seite geht es auch darum, Klarheit und Kongruenz zwischen einem unbefriedigenden Ist-Zustand, einem angestrebten Wunschzustand und dem Weg dorthin zu schaffen. Dies kann durchaus fordernd sein und ist auch als Teil des Lernprozesses und der Selbstreflexion zu sehen. Wertvoll und manchmal für die Klientin durchaus überraschend wirkt der Fokus auf vorhandene Ressourcen – auch im Umfeld, welche in Problemsituationen oft in Vergessenheit geraten.

Nadine Rass (Team golfnadine): Augen schliessen und seinen Körper nach der Aktivitiät und besonders dem Out door Atemtraining spüren – die Stille geniessen und spätenstens wenn sie danach gefragt werden, wie sie sich jetzt FÜHLEN entsteht der WOW effekt – im Profisport nennen wir diesen positiven Zustand FLOW.

Mag. Ina Lukl (IBG): Ich denke, systemische Fragetechniken sind immer richtig und wichtig, zumal sie u.a. über Dissoziation neue Denk- und Handlungsräume eröffnen und auch mögliche Auswirkungen auf dem Weg zur Veränderung berücksichtigen. Gleichzeitig können Coach und Coachee im Prozess laufend entscheiden, überwiegend auf mentaler oder körperlicher Ebene zu arbeiten. Die passende Form der Selbstreflexion kann dabei auch themen- bzw. situationsabhängig sein. Ist der Beziehungsaufbau erst einmal gut gelungen, entscheidet der Coachee selbstverantwortlich, welche Angebote er annehmen oder ablehnen möchte. Wesentlich ist, dass der Coach auf eine breite Palette an Möglichkeiten zugreifen kann, damit der Prozess gut vorangeht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass durch die Aktivierung der Körperintelligenz beim KörperCoaching sehr rasch eine Tiefe erreicht wird, die das Erleben von Gedanken, Gefühlen, Emotionen und Erfahrungen und deren „Verkörperungen“  zum Vorschein bringt. Damit wird der Weg zu neuen Erkenntnissen, Erlebnissen und Handlungsoptionen, also in Richtung Neuorientierung und Neuorganisation sehr gut aufbereitet.

Mag. Klaus Theuretzbacher (INOVATO Unternehmensentwicklung): Coachees wollen gefordert werden und neue Impulse erhalten. Nicht jene Gedanken ein x-tes Mal durchkauen, die sie eh schon selbst mehrfach gewälzt haben. Insofern stehen Coachees auf Überraschendes, durchaus Irritierendes und auch Provozierendes. Natürlich vorausgesetzt, dass es von Wertschätzung und Zutrauen durch den Coach getragen ist.
Geschichten, Analogien, Metaphern, in denen sie sich mit ihrem jeweiligen Thema wiederfinden. Geschichten, die – wie vorhin schon erwähnt – durchaus irritieren dürfen, befremdend anmuten können. Meist geht es darum, durch derartige Impulse einen hilfreichen inneren Such- und Assoziationsprozess anzuregen. Letztlich kommt der Coachee auf diese Weise zu den für ihn tatsächlich passenden Erkenntnissen und Einsichten.

Mag. Renate Strommer (ASO & WiLAk): Jede Form der Selbstreflexion, die anschlussfähig in der Welt des Coachee ist, die aktuelle Reflexionsfähigkeit und den Erkenntnisweg unterstützt, wird vom Coachee angenommen. D.h. es braucht einen großen Methodenkoffer, um passendes auszuwählen. Am leichtesten kann dies methodisch über das Zusammenspiel von Körper – innerem Bild und Emotion erfolgen.
Ein paar praktische Beispiele:

  • Menschen, die in Richtung Burnout unterwegs sind, reduzieren ihre Selbstwahrnehmungsfähigkeit und damit ihre Selbstreflexionsfähigkeit. D.h. in der Begleitung ist die Stärkung von Selbstwahrnehmung wichtig, um das für sich selbst sorgen dürfen und können zu unterstützen.
  • Will ein Coachee besser für sich sorgen lernen, können beispielsweise Achtsamkeitsübungen oder Selbstwahrnehmungsaufgaben unterstützen.
  • Geht es um das Lernen, Grenzen zu setzen, unterstützt die Selbstwahrnehmung in der Bodenankerarbeit und Körperarbeit, da durch das Erleben des inneren Bildes der Beziehung Wirksamkeiten wird und Veränderung experimentell erfahrbar wird.
  • Kann der eigene Beitrag zu einer negativ bewerteten Situation nicht gesehen werden, unterstützt zirkuläres Fragen Selbstreflexion.

Veronika Aumaier, MAS, MSc (Aumaier & Partner Coaching): Wenn die Erreichung eines Zieles sehr intensiv gewünscht wird, dann wende ich gerne eine Coachingmethode an, bei der man durch Selbstreflexion den Weg zum Ziel abschreitet. Dafür stelle ich im Raum einen Flipchart in einiger Entfernung zu einer gedachten Ziellinie auf und lasse den Coachee auf der Ziellinie einen Platz einnehmen. Danach stelle ich hintereinander, in gemäßigtem Tempo, diverse systemische Fragen, die der Reihe nach in Richtung Ziel bringen können wie beispielsweise: Wenn Sie an die Erreichung ihres Zieles denken, was ist ein erster guter Schritt, den sie machen könnten? Wer kann Sie dabei wie unterstützen? Welche ihrer Stärken/Ressourcen kann Ihnen bei einem weiteren Schritt helfen? Was müssten Sie für einen weiteren kleinen Schritt tun oder unterlassen? usw
Die Antworten werden vom Coachee nur gedacht oder aufgeschrieben, nicht laut gesagt. Wenn eine meiner Fragen eine gedachte Antwort hervorruft, die einen Bewegungsimpuls auslöst, dann soll diesem Folge geleistet werden. So entsteht eine individuelle, schrittweise Annäherung bis zum Zielpunkt.

Ist denn jeder Mensch zur Selbstreflexion fähig?

Corinna Ladinig, MBA (CTC Academy): Nach dem Konzept der Ich-Entwicklung erwachsener Menschen, setzt die Fähigkeit zur Selbstreflexion erst in einer höher entwickelten Stufe ein. Es gibt auch charakterliche Eigenschaften, die eine Selbstreflexion schwierig machen bis verhindern – denken Sie an nazistische Persönlichkeitstendenzen.
Aus der PSI Theorie wissen wir, dass manche Menschen nicht darüber nachdenken wollen, was schiefgelaufen ist bzw. was sie falsch gemacht haben, weil sich das unangenehm anfühlt – also verpassen sie aber auch die Möglichkeit der persönlichen Weiterentwicklung.

 



Die Gesprächspartner

 


Corinna Ladinig, MBA
Geschäftsführerin & Inhaberin

CTC Academy OG

www.ctc-academy.at

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Veronika Aumaier, MAS, MSc
Geschäftsführerin

AUMAIER & Partner Coaching GmbH

www.aumaier-coaching.com

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Mag. Steffi Bärmann
Academic Coordinator Human Resources Development, Training & Coaching

FHWien der WKW

www.fh-wien.ac.at

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Mag. Ina Lukl
Leitung BGF-Projekte und Generationenbalance

IBG GmbH

www.ibg.co.at

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Nadine Rass
Trainerin

Team golfnadine

www.golfnadine.com


Mag. Renate Strommer
Geschäftsführerin

ASO & WiLAk GmbH

www.aso.at


Mag. Klaus Theu retzbacher

INOVATO Unternehmensentwicklung GmbH


Interview durchgeführt von

Mag. Eva Selan, MSc
Geschäftsführerin

HRweb

www.HRweb.at

Autoren-Profil | Eva Selan


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